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Perspektive

Warum die richtige Entscheidung selten die schnellste ist

Simon Berger10–12 Minuten Lesezeit

Unternehmerische Entscheidungen werden oft nach Geschwindigkeit beurteilt. Doch bei Entscheidungen, die ein Unternehmen, seine Mitarbeitenden und die persönliche Zukunft des Inhabers betreffen, ist Tempo selten das wichtigste Qualitätsmerkmal.

Wer rasch entscheidet, gilt als klar, entschlossen und führungsstark. Wer länger abwägt, wirkt schnell zögerlich. Gerade in anspruchsvollen Situationen entsteht dadurch zusätzlicher Druck: Es soll nicht nur die richtige Entscheidung getroffen werden, sondern möglichst sofort.

Doch bei Entscheidungen, die ein Unternehmen, seine Mitarbeitenden und die persönliche Zukunft des Inhabers betreffen, ist Geschwindigkeit selten das wichtigste Qualitätsmerkmal.

Eine gute Entscheidung ist nicht diejenige, die am schnellsten fällt. Sie ist diejenige, deren Voraussetzungen, Konsequenzen und Alternativen ausreichend verstanden wurden – und die anschließend konsequent umgesetzt werden kann.

Schnelligkeit ist nicht dasselbe wie Klarheit

Viele unternehmerische Entscheidungen wirken auf den ersten Blick einfacher, als sie tatsächlich sind.

Soll eine zweite Führungsebene aufgebaut werden?
Soll das Unternehmen weiter wachsen oder stärker fokussiert werden?
Soll ein Partner beteiligt, ein Wettbewerber übernommen oder ein Verkaufsprozess vorbereitet werden?
Soll der Unternehmer seine operative Rolle verändern?

Für jede dieser Fragen lassen sich schnell Argumente finden. Häufig liegen auch bereits Zahlen, Marktinformationen und Einschätzungen von Beratern vor.

Das Problem ist dann nicht fehlende Information. Es ist die Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven, die gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.

Eine Entscheidung kann wirtschaftlich sinnvoll erscheinen und dennoch nicht zur gewünschten Rolle des Unternehmers passen. Sie kann strategisch attraktiv sein, aber eine Organisation überfordern. Sie kann kurzfristig Entlastung versprechen und langfristig neue Abhängigkeiten schaffen.

Wer in dieser Situation lediglich schneller entscheidet, schafft noch keine Klarheit. Er verkürzt zunächst nur den Zeitraum der Unsicherheit.

Entscheidungen werden schwer, wenn mehrere Ebenen zusammenlaufen

Unternehmerische Entscheidungen sind selten rein sachlich.

Sie betreffen meist zugleich:

  • die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens;
  • Kunden, Mitarbeitende und Führungskräfte;
  • Eigentum, Vermögen und persönliche Sicherheit;
  • Verantwortung für das, was über Jahre aufgebaut wurde;
  • die zukünftige Rolle und Lebensgestaltung des Unternehmers.

Diese Ebenen lassen sich nicht vollständig voneinander trennen.

Ein Unternehmer kann beispielsweise erkennen, dass sein Unternehmen eine stärkere zweite Führungsebene benötigt. Die sachliche Lösung scheint klar: Verantwortlichkeiten übertragen, Führungskräfte entwickeln oder externes Management einstellen.

Tatsächlich berührt die Entscheidung jedoch häufig weitere Fragen:

Kann und will der Unternehmer Verantwortung wirklich abgeben?
Welche Rolle soll er danach selbst einnehmen?
Ist die Organisation bereit, Entscheidungen ohne ihn zu treffen?
Welche wirtschaftlichen Spielräume bestehen?
Was passiert, wenn die neue Struktur nicht funktioniert?

Die sichtbare Entscheidung ist dann nur ein Teil der eigentlichen Fragestellung.

Der Wunsch nach einer schnellen Antwort ist verständlich

Ungeklärte Entscheidungen kosten Energie.

Sie binden Aufmerksamkeit, erschweren Priorisierung und führen häufig dazu, dass mehrere Wege gleichzeitig verfolgt werden. Projekte werden begonnen, aber nicht konsequent umgesetzt. Verantwortung wird teilweise übertragen und anschließend wieder zurückgenommen. Strategische Themen bleiben neben dem Tagesgeschäft liegen.

In dieser Situation ist der Wunsch nach einer schnellen Antwort nachvollziehbar.

Problematisch wird er, wenn Geschwindigkeit dazu dient, die Belastung der Entscheidung möglichst rasch zu beenden. Dann wird nicht unbedingt die beste Option gewählt, sondern häufig diejenige, die kurzfristig am meisten Erleichterung verspricht.

Das kann funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass die eigentliche Fragestellung nur verschoben wird.

Ein Beteiligungspartner löst nicht automatisch ein Führungsproblem.
Ein Verkauf löst nicht automatisch die Frage nach der eigenen zukünftigen Rolle.
Weiteres Wachstum löst nicht automatisch fehlende Profitabilität oder mangelnden Fokus.
Eine neue Organisationsstruktur löst nicht automatisch die Abhängigkeit vom Inhaber.

Gute Entscheidungen beginnen deshalb nicht mit der bevorzugten Lösung. Sie beginnen mit einer präzisen Beschreibung der Situation.

Vor einer Entscheidung müssen die Kriterien klar sein

Häufig werden Optionen verglichen, bevor geklärt wurde, woran eine gute Lösung überhaupt gemessen werden soll.

Dann stehen sich beispielsweise folgende Wege gegenüber:

  • weiter organisch wachsen;
  • einen Wettbewerber übernehmen;
  • einen Investor beteiligen;
  • eine zweite Führungsebene aufbauen;
  • das Leistungsportfolio konsolidieren;
  • das Unternehmen verkaufen;
  • zunächst nichts Grundlegendes verändern.

Jede dieser Optionen kann sinnvoll sein. Keine ist unabhängig vom Kontext richtig.

Ein belastbarer Vergleich benötigt deshalb Kriterien. Dazu gehören beispielsweise:

  • persönliche Ziele des Unternehmers;
  • gewünschte zukünftige Rolle;
  • wirtschaftliche Tragfähigkeit;
  • Zeitbedarf;
  • organisatorische Voraussetzungen;
  • Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeitende;
  • zusätzliche Risiken und Abhängigkeiten;
  • Umsetzbarkeit;
  • Reversibilität;
  • langfristige Handlungsfreiheit.

Erst wenn diese Kriterien sichtbar sind, werden Optionen wirklich vergleichbar.

Ohne sie besteht die Gefahr, dass die attraktivste Geschichte gewinnt: die Option mit dem größten Wachstum, dem höchsten möglichen Kaufpreis, der stärksten Entlastungswirkung oder der überzeugendsten Präsentation.

Das ist nicht zwangsläufig die Option, deren Konsequenzen am besten zum Unternehmer und zum Unternehmen passen.

Klarheit bedeutet nicht vollständige Sicherheit

Auch eine sorgfältig vorbereitete Entscheidung beseitigt nicht jede Unsicherheit.

Märkte verändern sich. Menschen reagieren anders als erwartet. Annahmen können sich als falsch erweisen. Manche Folgen werden erst sichtbar, wenn eine Entscheidung bereits umgesetzt wird.

Das Ziel kann daher nicht sein, vorab vollständige Sicherheit herzustellen.

Klarheit bedeutet vielmehr:

  • die relevanten Annahmen zu kennen;
  • persönliche und wirtschaftliche Ziele voneinander unterscheiden zu können;
  • wesentliche Risiken bewusst einzugehen;
  • Abhängigkeiten und Zielkonflikte nicht auszublenden;
  • zu verstehen, warum eine Option gegenüber anderen priorisiert wird;
  • festzulegen, was nach der Entscheidung konkret geschehen muss.

Eine gute Entscheidung enthält damit immer auch eine Umsetzungslogik.

Sie beantwortet nicht nur die Frage „Was tun wir?“, sondern auch:

Was muss in den nächsten 90 Tagen passieren?
Welche Ergebnisse sollen innerhalb eines Jahres erreicht werden?
Welche Voraussetzungen fehlen noch?
Woran erkennen wir, dass die gewählte Richtung nicht trägt?
Welche Entscheidungen bleiben bewusst offen?

Bewusstes Warten kann eine Entscheidung sein

Unternehmerischer Entscheidungsdruck erzeugt häufig die Erwartung, dass am Ende eine sichtbare Veränderung stehen muss.

Das muss nicht so sein.

Es kann richtig sein, einen Verkaufsprozess noch nicht zu beginnen.
Es kann richtig sein, vorerst keinen Investor aufzunehmen.
Es kann richtig sein, Wachstum nicht weiter zu beschleunigen.
Es kann richtig sein, eine mögliche Akquisition nicht zu verfolgen.

Bewusstes Warten unterscheidet sich jedoch deutlich vom Vertagen.

Vertagen bedeutet, dass eine Entscheidung ungeklärt bleibt und weiterhin Aufmerksamkeit bindet. Bewusstes Warten bedeutet, dass die Gründe, Voraussetzungen und ein neuer Entscheidungszeitpunkt festgelegt wurden.

Beispielsweise:

Wir beginnen derzeit keinen Verkaufsprozess, weil die Abhängigkeit vom Inhaber und die Qualität des Management-Reportings zunächst verbessert werden sollen. In zwölf Monaten bewerten wir die Situation anhand klarer Kriterien erneut.

Das ist keine fehlende Entscheidung. Es ist eine Entscheidung für Vorbereitung und einen späteren Zeitpunkt.

Auch ein Unternehmensverkauf beginnt vor dem Prozess

Besonders deutlich zeigt sich dies beim möglichen Verkauf eines Unternehmens.

Oft wird angenommen, der Verkaufsprozess beginne mit einer Bewertung, einem Informationsmemorandum oder der Ansprache potenzieller Käufer.

Tatsächlich beginnt er früher.

Vor einer Käuferansprache sollte der Inhaber unter anderem wissen:

  • warum er einen Verkauf erwägt;
  • welche persönlichen und wirtschaftlichen Ziele zählen;
  • welche Rolle er nach einer Transaktion übernehmen möchte;
  • welche Bedingungen nicht verhandelbar sind;
  • wie belastbar das Unternehmen aus Käuferperspektive wirkt;
  • welche Risiken vor einem Prozess reduziert werden sollten;
  • welche Käuferprofile grundsätzlich passen könnten;
  • ob der Zeitpunkt tatsächlich sinnvoll ist.

Wer diese Fragen erst im laufenden Prozess beantwortet, gerät leichter in eine reaktive Position.

Professionelle Käufer prüfen und strukturieren Transaktionen regelmäßig. Für einen Inhaber ist der Verkauf des eigenen Unternehmens meist eine einmalige Entscheidung. Vorbereitung beseitigt diese unterschiedliche Routine nicht. Sie sorgt aber dafür, dass auch auf Unternehmerseite Ziele, Optionen und Konsequenzen belastbar geklärt sind.

Ein Unternehmensverkauf wird konkret?

Zum Exit Readiness Assessment

Eine gute Entscheidung braucht einen klaren nächsten Schritt

Am Ende sollte eine Entscheidungsphase nicht nur eine grundsätzliche Richtung hervorbringen.

Sie sollte zu konkreten nächsten Schritten führen.

Eine belastbare Entscheidungsgrundlage enthält daher typischerweise:

  • ein Zielbild für Unternehmer und Unternehmen;
  • die wichtigsten Annahmen und Entscheidungskriterien;
  • einen strukturierten Vergleich realistischer Optionen;
  • drei bis fünf Schlüsselentscheidungen;
  • eine priorisierte Agenda für die nächsten 90 Tage;
  • konkrete Vorhaben für die folgenden zwölf Monate;
  • eine längerfristige Orientierung;
  • klare Punkte, die zunächst nicht weiterverfolgt werden.

Das verhindert, dass Klarheit nach einem guten Gespräch wieder im Tagesgeschäft verschwindet.

Denn eine Entscheidung gewinnt ihren Wert nicht allein in dem Moment, in dem sie getroffen wird. Sie gewinnt ihn dadurch, dass sie Orientierung schafft und umgesetzt werden kann.

Die richtige Entscheidung darf Zeit benötigen

Zeit allein verbessert keine Entscheidung.

Monatelanges Nachdenken ohne Struktur führt nicht automatisch zu einem besseren Ergebnis. Ebenso wenig ist jede schnelle Entscheidung falsch.

Entscheidend ist, wofür die Zeit genutzt wird.

Wenn sie dazu dient,

  • die eigentliche Fragestellung zu verstehen;
  • Ziele und Bedingungen zu klären;
  • Annahmen zu prüfen;
  • Optionen vergleichbar zu machen;
  • Konsequenzen sichtbar werden zu lassen;
  • die Umsetzung vorzubereiten,

dann ist sie keine Verzögerung.

Sie ist Teil der Entscheidung.

Die richtige Entscheidung ist deshalb selten die schnellste. Sie ist diejenige, die nicht nur im Moment plausibel erscheint, sondern deren Konsequenzen bewusst verstanden und getragen werden können.

Clarity before commitment.

Decision Readiness

Wenn mehrere Wege möglich sind, braucht es Kriterien für die richtige Richtung.

Das Decision Readiness Assessment verbindet persönliche Ziele, unternehmerische Realität und strategische Optionen. Das Ergebnis ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage mit drei bis fünf Schlüsselentscheidungen, einer 90-Tage-Agenda und einer 12-Monats-Agenda.

Mehr zum Decision Readiness Assessment

Gespräch

Eine Entscheidung lässt sich selten in einem ersten Gespräch lösen. Aber oft klarer beschreiben.

In einem vertraulichen Gespräch können wir einordnen, welche Frage hinter der aktuellen Situation steht und welcher nächste Schritt sinnvoll sein könnte.

Direkt an Simon Berger
s.berger@covestio.com
Sitz
München

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